Was muss der Architekt in der Entwurfsplanung leisten?

HOAI Gutachter

Alexander Fleming

HOAI Sachverständiger

04.03.2025

Was muss der Architekt in der Entwurfsplanung leisten?

Kurzantwort: In der Entwurfsplanung wird das Planungskonzept unter Einbeziehung der Fachplanungen zu einem durchgearbeiteten Entwurf fortentwickelt. Dazu gehören bei Gebäuden unter anderem zeichnerische Darstellungen, Objektbeschreibung, Verhandlungen über Genehmigungsfähigkeit, Kostenberechnung nach DIN 276, Vergleich mit der Kostenschätzung und Zusammenfassung der Ergebnisse.

Für Auftraggeber ist die Unterscheidung nicht nur theoretisch. Sie entscheidet darüber, welche Leistungen im vereinbarten Leistungsumfang enthalten sind, welche Arbeitsergebnisse der Architekt nachweisen sollte und wann eine zusätzliche Vergütung überhaupt diskutiert werden kann. Für Architekten wiederum ist eine klare Leistungsabgrenzung wichtig, damit Honorarvereinbarungen, Nachträge und Schlussrechnungen nachvollziehbar bleiben.

1. Was muss der Architekt in der Entwurfsplanung leisten?

1.1 Die Antwort in einem Satz

In der Entwurfsplanung wird das Planungskonzept unter Einbeziehung der Fachplanungen zu einem durchgearbeiteten Entwurf fortentwickelt. Dazu gehören bei Gebäuden unter anderem zeichnerische Darstellungen, Objektbeschreibung, Verhandlungen über Genehmigungsfähigkeit, Kostenberechnung nach DIN 276, Vergleich mit der Kostenschätzung und Zusammenfassung der Ergebnisse.

1.2 Warum diese Frage bei Honorarstreitigkeiten so wichtig ist

Viele Auseinandersetzungen über Architektenhonorare entstehen nicht wegen eines Rechenfehlers, sondern weil Auftraggeber und Architekt unterschiedliche Vorstellungen davon haben, was zum ursprünglichen Auftrag gehörte. Eine belastbare Prüfung beginnt deshalb mit drei Fragen: Was war vertraglich vereinbart? Welche HOAI-Grundleistungen sind dem Leistungsbild zugeordnet? Welche Leistungen wurden tatsächlich erbracht und dokumentiert?

2. Was sagt die HOAI zu Grundleistungen und Besonderen Leistungen?

2.1 Definition der Grundleistung

§ 3 Abs. 1 HOAI definiert Grundleistungen als Leistungen, die regelmäßig im Rahmen von Flächen-, Objekt- oder Fachplanungen auszuführen sind. Sie sind zur ordnungsgemäßen Erfüllung eines Auftrags im Allgemeinen erforderlich und in Leistungsbildern erfasst. Für Gebäude und Innenräume konkretisiert Anlage 10 Nummer 10.1 diese Tätigkeiten.

2.2 Definition und Offenheit der Besonderen Leistungen

Nach § 3 Abs. 2 HOAI können neben Grundleistungen Besondere Leistungen vereinbart werden. Wichtig ist der Zusatz, dass die Aufzählung in der HOAI und ihren Anlagen nicht abschließend ist. Die Beispiele helfen bei der fachlichen Einordnung, bilden aber nicht jede denkbare Sonderaufgabe ab.

2.3 Vertrag und HOAI müssen zusammen gelesen werden

Die HOAI ist kein vollständiger Ersatz für eine konkrete Leistungsbeschreibung. Welche Tätigkeiten im Einzelfall geschuldet sind, ergibt sich aus dem Vertrag. Die HOAI liefert dafür eine strukturierte fachliche Systematik. Gerade bei der Rechnungsprüfung muss daher verhindert werden, dass aus einem Tabellenwert automatisch auf einen bestimmten Vertragsinhalt geschlossen wird.

3. Wo liegt das Thema innerhalb der neun Leistungsphasen?

3.1 Die prozentuale Bewertung bei Gebäuden

§ 34 Abs. 3 HOAI verteilt die Grundleistungen bei Gebäuden auf neun Leistungsphasen. Die Prozentwerte zeigen die honorartechnische Gewichtung vollständiger Leistungsphasen. Sie sagen nicht automatisch, dass eine Phase vollständig erbracht wurde.

Leistungsphase

Gebäude

Typischer Schwerpunkt

1 Grundlagenermittlung

2 %

Aufgabe, Bedarf, Ortsbesichtigung, Beratungsbedarf

2 Vorplanung

7 %

Planungskonzept, Varianten, Kostenschätzung

3 Entwurfsplanung

15 %

Durchgearbeiteter Entwurf, Kostenberechnung

4 Genehmigungsplanung

3 %

Genehmigungsunterlagen und Anträge

5 Ausführungsplanung

25 %

Ausführungsreife Detailplanung

6 Vorbereitung der Vergabe

10 %

Mengen, Leistungsverzeichnisse, Vergabeunterlagen

7 Mitwirkung bei der Vergabe

4 %

Angebotsprüfung, Wertung, Vergabevorschlag

8 Objektüberwachung

32 %

Bauüberwachung, Kosten, Termine, Dokumentation

9 Objektbetreuung

2 %

Mängelbewertung, Objektbegehung, Dokumentation

3.2 Warum die Tabelle allein für eine Rechnungsprüfung nicht genügt

Wenn einzelne Grundleistungen nicht übertragen wurden oder wesentliche Teile fehlen, ist § 8 HOAI zu beachten. Danach darf bei nicht vollständig übertragenen Grundleistungen nur ein Honorar vereinbart und berechnet werden, das dem Anteil der übertragenen Grundleistungen an der gesamten Leistungsphase entspricht. Genau deshalb ist die Analyse der einzelnen Tätigkeiten in Anlage 10 so wichtig.

4. Was gehört konkret zur Entwurfsplanung?

4.1 Planungskonzept zum vollständigen Entwurf fortentwickeln

Der Architekt entwickelt die Vorplanung unter Berücksichtigung städtebaulicher, gestalterischer, funktionaler, technischer, bauphysikalischer und wirtschaftlicher Anforderungen weiter. Die Beiträge anderer Fachplaner sind zu integrieren.

4.2 Zeichnerische Darstellung in geeigneter Tiefe

Der Entwurf muss so dargestellt werden, dass die wesentlichen planerischen Entscheidungen nachvollziehbar sind. Die HOAI nennt für Gebäude beispielhaft einen Maßstab nach Art und Größe des Objekts. Entscheidend ist die für die Entwurfsentscheidung notwendige Aussagekraft.

4.3 Objektbeschreibung und Genehmigungsfragen

Zum Entwurf gehört eine Objektbeschreibung. Außerdem sind erforderliche Verhandlungen über die Genehmigungsfähigkeit zu führen. Damit verbindet LPH 3 Gestaltung, Technik, Kosten und öffentlich-rechtliche Rahmenbedingungen.

4.4 Kostenberechnung nach DIN 276

Die Kostenberechnung ist ein zentrales Arbeitsergebnis. Sie wird mit der Kostenschätzung verglichen. Gerade bei Honorar- und Haftungsstreitigkeiten spielt die Frage, ob eine belastbare Kostenberechnung vorliegt, regelmäßig eine große Rolle.

4.5 Ergebnisse zusammenfassen

Die Entwurfsplanung muss als abgestimmtes Gesamtpaket dokumentiert werden. Einzelne Pläne ohne Kosten- und Koordinationsbezug bilden die Leistungsphase nicht vollständig ab.

5. Grundleistung oder Besondere Leistung – praktische Abgrenzung

5.1 Ausgangspunkt ist der konkrete Leistungsinhalt

Die Überschrift einer Tätigkeit reicht für die Einordnung nicht. Eine „Beratung“, „Dokumentation“ oder „Bestandsleistung“ kann je nach Inhalt und Leistungsphase ganz unterschiedliche Bedeutung haben. Entscheidend ist, welche konkrete Tätigkeit geschuldet wurde und ob Anlage 10 sie bereits als Grundleistung beschreibt.

5.2 Beispiele aus Anlage 10

In LPH 1 gehören bei Gebäuden beispielsweise das Klären der Aufgabenstellung, die Ortsbesichtigung und die Beratung zum Leistungs- und Untersuchungsbedarf zu den Grundleistungen. Demgegenüber nennt Anlage 10 unter anderem Bedarfsplanung, Bedarfsermittlung, Raumprogramm, Standortanalyse, Bestandsaufnahme und technische Substanzerkundung als Beispiele Besonderer Leistungen. Diese Gegenüberstellung zeigt, warum eine pauschale Gleichsetzung nicht funktioniert.

Prüffrage

Bedeutung für die Einordnung

Typischer Nachweis

Ist die Tätigkeit in Anlage 10 als Grundleistung genannt?

Starkes Indiz für Bestandteil der betreffenden Leistungsphase

Vertrag, Leistungsbild, Arbeitsergebnis

Ist sie als Besondere Leistung beispielhaft genannt?

Hinweis auf zusätzliche oder gesondert zu vereinbarende Tätigkeit

Zusatzauftrag, Angebot, Nachtrag

War die Tätigkeit bereits individuell im Hauptvertrag vereinbart?

Vertraglicher Leistungsumfang kann weiter konkretisiert sein

Vertrag und Anlagen

Wurde die Leistung tatsächlich erbracht?

Für Vergütung und Rechnungsprüfung entscheidend

Pläne, Protokolle, Berechnungen, Dokumentation

Gab es eine spätere Leistungsänderung?

Kann zusätzliche Vergütungsfragen auslösen

E-Mail, Nachtrag, Änderungsanordnung, Besprechungsprotokoll

6. Welche Bedeutung hat § 8 HOAI bei Teilleistungen?

6.1 Nicht jede Leistungsphase ist automatisch vollständig verdient

Die prozentuale Bewertung in § 34 bezieht sich auf die vollständige Leistungsphase. Werden nicht alle Grundleistungen übertragen, greift § 8 Abs. 2 HOAI. Für die Praxis bedeutet das: Die Frage „LPH 3 beauftragt – ja oder nein?“ ist häufig zu grob. Es muss untersucht werden, welche Grundleistungen tatsächlich zum Auftrag gehörten.

6.2 Wesentliche Teile einzelner Grundleistungen

§ 8 berücksichtigt ausdrücklich auch den Fall, dass wesentliche Teile von Grundleistungen nicht übertragen werden. Das ist für komplexe Projektstrukturen relevant, in denen einzelne Aufgaben beim Bauherrn, Projektsteuerer oder Fachplaner verbleiben.

6.3 Teilleistungsbewertung braucht fachliche Begründung

Eine sachverständige Bewertung sollte nicht willkürlich Prozentwerte verteilen. Sinnvoll ist eine nachvollziehbare Matrix aus vereinbarter Grundleistung, tatsächlichem Arbeitsergebnis, Bedeutung innerhalb der Leistungsphase und Rechnungsansatz. Weitere Hinweise enthält Teilleistungen innerhalb einer Leistungsphase richtig bewerten.

7. Welche Unterlagen braucht man für die Prüfung?

7.1 Vertragsunterlagen

Benötigt werden insbesondere Architektenvertrag, Leistungsbeschreibung, Anlagen, Honorarangebot, Nachträge und Änderungsvereinbarungen. Bei älteren Projekten ist zusätzlich zu klären, welche HOAI-Fassung dem Vertrag zeitlich zugrunde liegt.

7.2 Arbeitsergebnisse des Architekten

Je nach Leistungsphase sind beispielsweise Protokolle, Pläne, Kostenunterlagen, Genehmigungsunterlagen, Leistungsverzeichnisse, Preisspiegel, Bautagebuch, Rechnungsprüfungen oder Dokumentationsunterlagen relevant. Entscheidend ist nicht die Menge der Dateien, sondern ihre Aussagekraft für die konkret streitige Grundleistung.

7.3 Kommunikation zu Änderungen

E-Mails, Besprechungsprotokolle und Nachträge können zeigen, ob der Auftraggeber zusätzliche Leistungen verlangt oder der Architekt auf eine Erweiterung des Leistungsumfangs hingewiesen hat. Gerade bei Besonderen Leistungen ist die zeitliche Dokumentation häufig entscheidend.

8. Typische Fehler bei der Abrechnung

8.1 Vollständige Leistungsphase trotz fehlender wesentlicher Leistungen

Ein typischer Prüfpunkt ist, ob eine Leistungsphase vollständig abgerechnet wird, obwohl wesentliche Grundleistungen nicht übertragen oder nicht erbracht wurden. Das bedeutet nicht automatisch, dass jede kleine Abweichung zu einer Kürzung führt. Es verlangt aber eine fachliche Prüfung.

8.2 Besondere Leistung wird doppelt vergütet

Eine zusätzliche Vergütung ist kritisch, wenn die berechnete Tätigkeit inhaltlich bereits durch eine Grundleistung oder eine bestehende Pauschalvereinbarung erfasst ist. Vor jeder Anerkennung eines Nachtrags sollte deshalb die Leistungsüberschneidung geprüft werden.

8.3 Grundleistung wird fälschlich als Zusatzleistung behandelt

Umgekehrt kann es vorkommen, dass Tätigkeiten als Zusatzleistung angeboten werden, obwohl sie nach dem vereinbarten Leistungsbild bereits zum geschuldeten Grundleistungsumfang gehören. Hier hilft eine genaue Gegenüberstellung mit Anlage 10.

8.4 Besondere Leistung wird ohne klaren Leistungsumfang beauftragt

Unklare Formulierungen wie „Bestandsaufnahme nach Aufwand“ oder „zusätzliche Beratung“ schaffen Streitpotenzial. Besser sind konkrete Ergebnisse, Abgrenzungen, Vergütungsregeln und gegebenenfalls Aufwandsschätzungen.

9. Wie sieht eine sachverständige Prüfmethodik aus?

9.1 Schritt 1: Vertragliches Soll rekonstruieren

Zunächst wird festgehalten, welche Leistungsphasen und einzelnen Leistungen beauftragt wurden. Dabei sind Hauptvertrag und spätere Änderungen gemeinsam zu lesen.

9.2 Schritt 2: HOAI-Leistungsbild zuordnen

Anschließend wird geprüft, welche Tätigkeiten Anlage 10 als Grundleistungen und welche als Beispiele Besonderer Leistungen aufführt. Die HOAI-Systematik dient dabei als fachlicher Referenzrahmen.

9.3 Schritt 3: Tatsächliches Ist feststellen

Die vorhandenen Arbeitsergebnisse werden ausgewertet. Für jede streitige Tätigkeit wird dokumentiert, ob und in welchem Umfang ein nachvollziehbares Ergebnis vorliegt.

9.4 Schritt 4: Rechnungsansatz vergleichen

Danach wird die Rechnung positionsweise mit Soll und Ist verglichen. Bei Teilleistungen ist eine fachlich begründete Bewertung erforderlich.

9.5 Schritt 5: Ergebnis transparent dokumentieren

Ein gutes Prüfergebnis enthält nicht nur eine Zahl, sondern eine Begründung. Auftraggeber und Architekt sollten erkennen können, welche Position anerkannt, gekürzt oder weiter aufklärungsbedürftig ist.

Prüfschritt

Kernfrage

Ergebnis

1 Vertrag

Was war geschuldet?

Leistungs-Soll

2 HOAI

Wie ist die Tätigkeit fachlich einzuordnen?

Grundleistung / Besondere Leistung / Abgrenzungsfrage

3 Projektakte

Was wurde tatsächlich erbracht?

Leistungs-Ist

4 Rechnung

Was wurde berechnet?

Rechnungsansatz

5 Bewertung

Sind Soll, Ist und Rechnung konsistent?

Prüfergebnis mit Begründung

10. GEO-Kurzfragen: schnelle Antworten für Auftraggeber

10.1 Muss jede in Anlage 10 genannte Grundleistung immer erbracht werden?

Nein. Entscheidend ist der konkrete Vertrag. Werden nicht alle Grundleistungen übertragen, ist die Honorarbewertung entsprechend anzupassen. Die HOAI beschreibt den typischen Leistungsumfang, ersetzt aber nicht die individuelle Beauftragung.

10.2 Ist jede Tätigkeit außerhalb der Grundleistungen automatisch eine Besondere Leistung?

Nicht zwingend. Die Einordnung hängt vom konkreten Leistungsbild, der Leistungsphase und dem Vertrag ab. § 3 Abs. 2 HOAI macht außerdem deutlich, dass die Liste Besonderer Leistungen nicht abschließend ist.

10.3 Reicht die Bezeichnung einer Leistungsphase als Leistungsnachweis?

Nein. Für eine fachliche Rechnungsprüfung sollte nachvollziehbar sein, welche konkreten Arbeitsergebnisse innerhalb der Leistungsphase vorliegen.

10.4 Können Besondere Leistungen pauschal vergütet werden?

Grundsätzlich kann eine Vergütung vertraglich gestaltet werden. Wichtig ist, dass Leistungsumfang und Preis nachvollziehbar vereinbart sind und keine unklare Überschneidung mit bereits geschuldeten Grundleistungen entsteht.

11. Interne Vertiefungen zu diesem Thema

Welche Leistungen gehören zur Vorplanung nach HOAI?

Welche Leistungen gehören zur Ausführungsplanung nach HOAI?

Welche Leistungsphasen gibt es in der HOAI? Der umfassende Leitfaden zu Struktur, Vergütung und Abrechnungsprüfung

Kostenverfolgung, Kostenschätzung, Kostenberechnung – Was schuldet der Architekt?

Nicht vollständig erbrachte Leistungsphase – darf sie vollständig abgerechnet werden?

12. Praxisbeispiel: Wie entsteht ein Honorarstreit?

12.1 Ausgangslage

Ein Bauherr beauftragt einen Architekten mit mehreren Leistungsphasen für die Sanierung eines Bestandsgebäudes. Während der Planung stellt sich heraus, dass vorhandene Pläne unvollständig sind. Der Architekt nimmt Maße auf, dokumentiert Bauteile und lässt einzelne Konstruktionen öffnen. Später enthält die Schlussrechnung zusätzliche Positionen für Bestandsaufnahme und Substanzerkundung.

12.2 Falsche Kurzantwort

Es wäre zu einfach zu sagen: „Alles in LPH 1 ist bereits bezahlt“ oder umgekehrt „Bestandsleistungen sind immer zusätzlich zu vergüten“. Anlage 10 unterscheidet gerade zwischen der Ortsbesichtigung als Grundleistung und Bestandsaufnahme beziehungsweise technischer Substanzerkundung als Beispielen Besonderer Leistungen.

12.3 Richtige Prüfreihenfolge

Zuerst wird der Vertrag geprüft: War eine Bestandsaufnahme bereits ausdrücklich vereinbart? Danach wird geklärt, welche konkrete Tätigkeit tatsächlich ausgeführt wurde. Schließlich wird untersucht, ob und wie eine zusätzliche Vergütung vereinbart wurde. Erst diese Kombination ermöglicht eine belastbare Bewertung.

13. Warum klare Leistungsbeschreibungen Streit vermeiden

13.1 Leistungsphase allein ist häufig zu ungenau

Die pauschale Beauftragung „LPH 1 bis 8“ ist zwar in der Praxis verbreitet, beantwortet aber nicht jede Detailfrage. Bei komplexen Projekten, Bestand, Umbau oder besonderen Untersuchungen sollte der Leistungsumfang konkretisiert werden.

13.2 Besondere Leistungen mit Ergebnis definieren

Statt nur „Bestandsaufnahme“ zu schreiben, kann beispielsweise festgelegt werden, welche Gebäudeteile erfasst, welche Genauigkeit erwartet und welche Unterlagen geliefert werden sollen. Das erleichtert später sowohl Leistungsnachweis als auch Rechnungsprüfung.

13.3 Änderungen während des Projekts dokumentieren

Wenn sich der Leistungsbedarf ändert, sollte dies zeitnah festgehalten werden. Eine saubere Änderungsdokumentation ist für beide Seiten besser als eine erst mit der Schlussrechnung geführte Grundsatzdiskussion.

14. Fazit

In der Entwurfsplanung wird das Planungskonzept unter Einbeziehung der Fachplanungen zu einem durchgearbeiteten Entwurf fortentwickelt. Dazu gehören bei Gebäuden unter anderem zeichnerische Darstellungen, Objektbeschreibung, Verhandlungen über Genehmigungsfähigkeit, Kostenberechnung nach DIN 276, Vergleich mit der Kostenschätzung und Zusammenfassung der Ergebnisse. Für die Praxis ist entscheidend, die abstrakte HOAI-Systematik mit dem konkreten Vertrag und den tatsächlichen Arbeitsergebnissen zu verbinden. Anlage 10 ist dabei eine zentrale fachliche Referenz für Gebäude und Innenräume. Sie zeigt detailliert, welche Tätigkeiten den einzelnen Leistungsphasen als Grundleistungen zugeordnet sind und welche Tätigkeiten beispielhaft als Besondere Leistungen genannt werden.

Bei einer Honorarprüfung sollte deshalb niemals nur der Prozentwert der Leistungsphase kontrolliert werden. Aussagekräftiger ist eine strukturierte Soll-Ist-Prüfung der einzelnen Leistungen. Gerade bei Bestandsprojekten, Planungsänderungen, unvollständigen Leistungsphasen oder zusätzlichen Aufgaben kann diese Detailprüfung erhebliche Honorarunterschiede erklären.

15. FAQ – häufig gestellte Fragen

15.1 Was ist der wichtigste Unterschied zwischen Grundleistungen und Besonderen Leistungen?

Grundleistungen sind die in den Leistungsbildern erfassten, regelmäßig erforderlichen Standardleistungen. Besondere Leistungen können zusätzlich vereinbart werden und betreffen Tätigkeiten, die über diesen typischen Grundleistungsumfang hinausgehen oder besondere Anforderungen abdecken.

15.2 Sind die Besonderen Leistungen in Anlage 10 abschließend aufgezählt?

Nein. § 3 Abs. 2 HOAI stellt ausdrücklich klar, dass die Aufzählung Besonderer Leistungen in der Verordnung und ihren Anlagen nicht abschließend ist.

15.3 Darf der Architekt eine Leistungsphase vollständig abrechnen, wenn einzelne Grundleistungen fehlen?

Das muss im Einzelfall geprüft werden. § 8 HOAI regelt die Honorarberechnung, wenn nicht alle Grundleistungen oder wesentliche Teile davon übertragen wurden. Zusätzlich ist zu klären, was vertraglich vereinbart und tatsächlich erbracht wurde.

15.4 Ist eine Bestandsaufnahme bei Gebäuden automatisch Grundleistung?

Nein. Anlage 10 nennt die Ortsbesichtigung als Grundleistung der LPH 1, die Bestandsaufnahme und technische Substanzerkundung dagegen als Beispiele Besonderer Leistungen. Der konkrete Vertrag kann den Leistungsumfang näher bestimmen.

15.5 Wann ist eine sachverständige HOAI-Prüfung sinnvoll?

Sie ist besonders sinnvoll, wenn hohe Honorarbeträge streitig sind, einzelne Leistungsphasen nur teilweise erbracht wurden, Zusatzleistungen berechnet werden oder Auftraggeber und Architekt unterschiedliche Auffassungen über den geschuldeten Leistungsumfang haben.

16. Rechtsgrundlagen und Quellenhinweise

Die fachliche Grundlage dieses Beitrags bilden insbesondere § 3 HOAI zu Grundleistungen und Besonderen Leistungen, § 8 HOAI zur Honorarberechnung bei nicht vollständig übertragenen Leistungsphasen oder Grundleistungen, § 34 HOAI zum Leistungsbild Gebäude und Innenräume sowie Anlage 10 Nummer 10.1 mit den einzelnen Grundleistungen und Beispielen Besonderer Leistungen. Für die konkrete rechtliche Bewertung eines Vertrags sind Vertragsdatum, individuelle Vereinbarungen und Einzelfallumstände gesondert zu prüfen.

17. Vertiefung: Wie sind die einzelnen Arbeitsergebnisse in der Praxis zu bewerten?

17.1 Nicht jedes Arbeitsergebnis hat die gleiche Bedeutung

Bei der Bewertung einer Leistungsphase sollte nicht einfach die Anzahl vorhandener Dokumente gezählt werden. Eine einzelne Kostenberechnung kann beispielsweise für die Entwurfsplanung ein wesentliches Arbeitsergebnis sein, während zahlreiche E-Mails nur begleitenden Charakter haben. Die fachliche Gewichtung muss deshalb berücksichtigen, welche Funktion die jeweilige Grundleistung innerhalb der Leistungsphase erfüllt.

17.2 Qualität und Vollständigkeit voneinander unterscheiden

Eine Honorarprüfung ist keine vollständige Mängelprüfung der Planung. Die Frage, ob eine Leistung erbracht wurde, ist von der Frage zu unterscheiden, ob sie fehlerfrei war. Ein vorhandener Entwurfsplan kann eine erbrachte Leistung darstellen, obwohl er fachliche Mängel enthält. Umgekehrt kann ein qualitativ hochwertiges Einzeldokument nicht automatisch sämtliche übrigen Grundleistungen einer Leistungsphase ersetzen.

17.3 Mitwirkung anderer Projektbeteiligter

Bei modernen Bauprojekten werden Aufgaben häufig zwischen Architekt, Fachplanern, Projektsteuerung, Bauherrn und ausführenden Unternehmen verteilt. Für die Honorarbewertung ist deshalb zu klären, ob der Architekt eine Leistung selbst schulden sollte, ob er lediglich Beiträge anderer Beteiligter integrieren musste oder ob die Aufgabe vollständig einem Dritten übertragen war.

17.4 Digitale Planung verändert nicht die Leistungslogik

BIM-Modelle, digitale Planplattformen und automatisierte Mengen- oder Kollisionsprüfungen verändern die Werkzeuge, aber nicht automatisch die vertragliche Leistungsabgrenzung. Entscheidend bleibt, welche Planungsaufgabe geschuldet und welches Ergebnis vereinbart wurde. Besondere BIM-spezifische Anforderungen sollten deshalb ausdrücklich beschrieben werden.

18. Vertiefung: Welche Rolle spielen Kosten, Termine und Koordination?

18.1 Kostenleistungen sind über mehrere Phasen verteilt

Die HOAI ordnet Kostenaufgaben nicht nur einer einzigen Leistungsphase zu. In der Vorplanung steht die Kostenschätzung, in der Entwurfsplanung die Kostenberechnung. Später folgen Kostenkontrollen auf Grundlage der Vergabe- und Ausführungsergebnisse. Für eine Leistungsprüfung muss deshalb immer der jeweilige Kostenstand betrachtet werden.

18.2 Koordination ist Bestandteil vieler Grundleistungen

Architekturplanung ist eine Integrationsleistung. Beiträge von Tragwerksplanung, Technischer Ausrüstung und weiteren Fachdisziplinen müssen in verschiedenen Leistungsphasen abgestimmt und in die Objektplanung integriert werden. Fehlt diese Koordination, kann dies sowohl für die Leistungsbewertung als auch für die Projektqualität relevant sein.

18.3 Termine sind nicht nur Sache der Bauleitung

Bereits in Vergabe und Ausführung spielen Terminpläne eine Rolle. Die konkrete Tiefe der Terminsteuerung muss allerdings vom normalen Leistungsbild und gegebenenfalls zusätzlichen Projektsteuerungsleistungen abgegrenzt werden. Nicht jede übergeordnete Terminmanagementaufgabe ist automatisch Architekten-Grundleistung.

19. Vertiefung: Abgrenzung zu Projektsteuerung und Fachplanung

19.1 Objektplanung ist nicht Projektsteuerung

Der Architekt koordiniert innerhalb seines Leistungsbilds zahlreiche fachliche Beiträge. Daraus folgt jedoch nicht automatisch, dass er sämtliche Aufgaben einer Projektsteuerung übernimmt. Übergeordnete Organisations-, Steuerungs- oder Controllingaufgaben können gesonderte Leistungen darstellen.

19.2 Fachplaner behalten eigene Leistungsbilder

Tragwerksplanung und Technische Ausrüstung besitzen eigene HOAI-Leistungsbilder. Der Objektplaner muss deren Ergebnisse integrieren, schuldet aber nicht automatisch die fachplanerische Berechnung selbst. Diese Trennung ist bei der Bewertung von Doppelhonoraren und Schnittstellen besonders wichtig.

19.3 Bauherrnleistungen bleiben Bauherrnleistungen

Auch der Auftraggeber hat Entscheidungen zu treffen, Informationen bereitzustellen und Freigaben zu erteilen. Verzögerungen oder fehlende Grundlagen können deshalb nicht ohne Weiteres als fehlende Architektenleistung bewertet werden. Eine faire Prüfung rekonstruiert den tatsächlichen Projektablauf.

20. Checkliste für Auftraggeber vor Anerkennung einer Architektenrechnung

Nr.

Prüffrage

Warum wichtig?

1

Welche Leistungsphasen wurden vertraglich beauftragt?

Bestimmt den Grundrahmen der Abrechnung

2

Wurden einzelne Grundleistungen ausgenommen?

Kann die prozentuale Bewertung beeinflussen

3

Welche Arbeitsergebnisse liegen je Leistungsphase vor?

Belegt die tatsächliche Leistung

4

Welche Besonderen Leistungen wurden zusätzlich vereinbart?

Verhindert Doppelvergütung

5

Gab es Planungsänderungen oder Wiederholungen?

Kann zusätzliche Vergütung auslösen

6

Sind Kostenunterlagen der jeweiligen Phase vorhanden?

Wichtiger Leistungsnachweis

7

Sind Beiträge der Fachplaner integriert?

Prüft die Koordinationsleistung

8

Sind Dokumentationspflichten erfüllt?

Erleichtert Nachweis und Übergabe

9

Ist die Schlussrechnung nachvollziehbar aufgebaut?

Voraussetzung für sachliche Prüfung

10

Sind Abschlagszahlungen korrekt berücksichtigt?

Verhindert rechnerische Überzahlung

Diese Checkliste ersetzt keine Einzelfallprüfung. Sie hilft aber, die Unterlagen zu strukturieren und typische Streitpunkte früh zu erkennen. Besonders bei hohen Schlussrechnungen sollte der Auftraggeber nicht nur auf den Gesamtbetrag schauen, sondern die fachliche Herleitung der einzelnen Leistungsanteile nachvollziehen.

21. Ergänzende Praxisfragen zur Leistungsabgrenzung

21.1 Warum sollte die Leistungsabgrenzung bereits vor Projektbeginn erfolgen?

Je früher Auftraggeber und Architekt den Leistungsumfang konkretisieren, desto geringer ist das Risiko späterer Missverständnisse. Gerade bei Umbau, Sanierung und komplexen Fachplanerschnittstellen reicht eine reine Nennung von Leistungsphasen häufig nicht aus. Sinnvoll ist eine ergänzende Leistungsbeschreibung, die besondere Untersuchungen, Bestandsleistungen, Varianten, Dokumentationsanforderungen und digitale Liefergegenstände konkret bezeichnet.

21.2 Wie sollte mit nachträglichen Zusatzwünschen umgegangen werden?

Zusätzliche Wünsche sollten möglichst vor ihrer Bearbeitung beschrieben und hinsichtlich ihrer Auswirkungen auf Honorar und Termine eingeordnet werden. Das schützt beide Seiten. Der Auftraggeber erkennt frühzeitig mögliche Mehrkosten; der Architekt kann nachweisen, dass die zusätzliche Tätigkeit nicht bereits Bestandteil des ursprünglichen Leistungsumfangs war.

21.3 Welche Rolle spielen Besprechungsprotokolle?

Besprechungsprotokolle können den Projektverlauf dokumentieren und Hinweise auf Entscheidungen, Änderungen oder zusätzliche Anforderungen geben. Sie sollten jedoch immer zusammen mit Vertrag und Arbeitsergebnissen ausgewertet werden. Ein einzelner Protokollsatz beantwortet selten sämtliche Fragen zur Beauftragung und Vergütung.

21.4 Was sollte ein fachliches Prüfgutachten enthalten?

Ein gutes Prüfgutachten beschreibt den Prüfauftrag, die ausgewerteten Unterlagen, die maßgebliche HOAI-Systematik, den vertraglichen Leistungsumfang, die festgestellten Arbeitsergebnisse und die daraus abgeleitete Bewertung. Abweichungen zur Rechnung sollten transparent und positionsbezogen dargestellt werden.