Anrechenbare Kosten bei Umbauten und Sanierungen

Alexander Fleming
HOAI Sachverständiger
04.03.2025

Anrechenbare Kosten bei Umbau und Sanierung: Baukosten, mitzuverarbeitende Bausubstanz, Umbauzuschlag und typische Prüfprobleme. Gerade bei Architekten- und Ingenieurrechnungen können kleine Fehler in der Einordnung große Auswirkungen auf das Ergebnis haben. Eine fachlich belastbare Prüfung sollte deshalb immer vom Vertrag und den konkreten Projektunterlagen ausgehen.
1. Anrechenbare Kosten bei Umbauten und Sanierungen
Anrechenbare Kosten bei Umbau und Sanierung: Baukosten, mitzuverarbeitende Bausubstanz, Umbauzuschlag und typische Prüfprobleme. Die HOAI stellt dafür Leistungsbilder, Honorarparameter und Orientierungswerte bereit. Sie ersetzt jedoch nicht die Prüfung, was die Parteien im konkreten Vertrag vereinbart haben und welche Leistungen tatsächlich erbracht wurden.
2. Zuerst Vertrag und maßgebliche HOAI-Fassung klären
2.1 Vertraglicher Leistungsumfang
Ausgangspunkt jeder Honorarprüfung ist der Architekten- oder Ingenieurvertrag einschließlich Anlagen, Leistungsbeschreibung, Honorarangebot und späterer Änderungen. Erst daraus ergibt sich, welche Leistungen geschuldet und welche Vergütungsregelungen vereinbart wurden.
2.2 Bedeutung der HOAI 2021
Seit der HOAI 2021 sind die Honorartafeln als Orientierungswerte ausgestaltet. § 7 HOAI stellt die Honorarvereinbarung in den Mittelpunkt. Bei älteren Verträgen kann eine andere Rechtslage maßgeblich sein, weshalb das Vertragsdatum in der Prüfung nicht übergangen werden darf.
3. Was versteht die HOAI unter anrechenbaren Kosten?
3.1 Gesetzliche Definition in § 4 HOAI
Anrechenbare Kosten sind nach § 4 HOAI ein Teil der Kosten für Herstellung, Umbau, Modernisierung, Instandhaltung oder Instandsetzung von Objekten sowie damit zusammenhängende Aufwendungen. Sie sind nicht mit den gesamten Projektkosten gleichzusetzen. Außerdem gehört die auf Objektkosten entfallende Umsatzsteuer nicht zu den anrechenbaren Kosten.
3.2 DIN 276 und Leistungsbild beachten
Welche Kosten tatsächlich in die Honorarermittlung eingehen, hängt vom jeweiligen Leistungsbild und den besonderen Regelungen der HOAI ab. § 4 HOAI verweist für Fälle, in denen die DIN 276 herangezogen wird, ausdrücklich auf die dort genannte Fassung. Mehr zur praktischen Kostenstruktur erläutert Kostenverfolgung, Kostenschätzung, Kostenberechnung – Was schuldet der Architekt?.
3.3 Mitzuverarbeitende Bausubstanz bei Bestandsprojekten
§ 4 Abs. 3 HOAI verlangt, Umfang und Wert mitzuverarbeitender Bausubstanz bei den anrechenbaren Kosten angemessen zu berücksichtigen. Die Ermittlung soll objektbezogen zum Zeitpunkt der Kostenberechnung beziehungsweise – wenn diese fehlt – der Kostenschätzung erfolgen und in Textform vereinbart werden.
4. Bedeutung für die Rechnungsprüfung
4.1 Rechnungsansatz mit den Vertragsunterlagen vergleichen
Die Rechnung sollte positionsweise mit dem vertraglich geschuldeten Leistungsumfang verglichen werden. Prüfrelevant sind je nach Fall Leistungsbild, Kostenbasis, Honorarzone, Leistungsphasen, Zuschläge, Nebenkosten, besondere Leistungen und Änderungen.
4.2 Tatsächliche Leistung nachweisen
Besonders bei streitigen Leistungsständen sind konkrete Arbeitsergebnisse entscheidend. Ein bloßer Prozentansatz in der Rechnung beweist nicht, dass sämtliche zugehörigen Grundleistungen vollständig erbracht wurden.
5. Typische Fehler und Streitpunkte
5.1 Schematische Anwendung der HOAI
Ein häufiger Fehler besteht darin, HOAI-Werte ohne Rückbindung an Vertrag und Projekt anzusetzen. Die HOAI-Systematik ist ein Prüfrahmen, aber kein Ersatz für die individuelle Leistungs- und Vertragsanalyse.
5.2 Unklare Änderungen während des Projekts
Planungsänderungen, Wiederholungsleistungen oder zusätzliche Aufgaben sollten dokumentiert werden. Fehlt eine klare Abgrenzung zum ursprünglichen Auftrag, entstehen später häufig Streitigkeiten über zusätzliche Vergütung. Vertiefend hierzu: Zusatzhonorar für Planungsänderungen: Wann darf der Architekt extra abrechnen?.
6. So lässt sich die Position fachlich prüfen
6.1 Soll-Ist-Rechnungs-Vergleich
Bewährt hat sich eine Gegenüberstellung aus vertraglichem Soll, nachgewiesenem Ist und dem Rechnungsansatz. Dadurch werden Differenzen sichtbar und können einzeln begründet werden.
6.2 Prüfrechnung dokumentieren
Eine belastbare Prüfung sollte nicht nur einen korrigierten Endbetrag nennen. Sie sollte erklären, welche Parameter verwendet wurden, welche Positionen anerkannt werden und wo fachlicher Klärungsbedarf besteht.
7. Wirtschaftliche Bedeutung
7.1 Kleine Ansatzfehler können hohe Differenzen verursachen
Bei größeren Projekten wirken sich fehlerhafte Kostenansätze, Leistungsbewertungen oder Zuschläge schnell erheblich aus. Das gilt sowohl zugunsten als auch zulasten des Planers.
7.2 Neutralität statt pauschaler Kürzung
Ziel einer sachverständigen Prüfung ist nicht die größtmögliche Rechnungskürzung, sondern ein fachlich nachvollziehbares Ergebnis. Eine neutrale Prüfung kann bestätigen, dass einzelne Forderungen berechtigt sind, und gleichzeitig andere Positionen korrigieren.
8. Passende interne Vertiefungen
Mitzuverarbeitende Bausubstanz – einfach erklärt
Umbauzuschlag und mitzuverarbeitende Bausubstanz – wo liegt der Unterschied?
Bestimmung der anrechenbaren Kosten nach HOAI
HOAI Honorar prüfen: Leitfaden für Architekten, Bauherren und Ingenieure
9. Wann fachkundige Unterstützung sinnvoll ist
9.1 Hohe oder unübersichtliche Forderungen
Eine unabhängige Prüfung ist besonders sinnvoll, wenn mehrere Honorarparameter streitig sind, hohe Nachforderungen bestehen oder sich die Rechnung ohne vertiefte HOAI-Kenntnisse nicht nachvollziehen lässt.
9.2 Streit über tatsächliche Leistungen
Wenn Auftraggeber und Planer über den Umfang erbrachter Leistungen streiten, kann eine fachliche Auswertung der Projektunterlagen die Diskussion versachlichen. Rechtliche Fragen sollten bei Bedarf ergänzend durch einen spezialisierten Rechtsanwalt geprüft werden.
10. Fazit
Beim Thema „Anrechenbare Kosten bei Umbauten und Sanierungen“ entscheidet nicht ein einzelner Tabellenwert. Vertrag, Leistungsumfang, HOAI-Systematik und tatsächlicher Projektverlauf müssen zusammen betrachtet werden. Gerade bei relevanten Honorardifferenzen lohnt sich eine strukturierte und dokumentierte Prüfung.
11. FAQ – häufig gestellte Fragen
11.1 Ist die HOAI 2021 weiterhin verbindlich?
Die HOAI gilt weiterhin, die Honorartafeln sind seit 2021 jedoch Orientierungswerte. Das tatsächlich geschuldete Honorar richtet sich grundsätzlich nach der wirksamen Honorarvereinbarung und dem Vertrag.
11.2 Kann eine Architektenrechnung trotz korrekter Mathematik falsch sein?
Ja. Die Rechnung kann rechnerisch stimmen, obwohl beispielsweise falsche anrechenbare Kosten, ein unzutreffender Leistungsumfang oder nicht gerechtfertigte Zuschläge angesetzt wurden.
11.3 Welche Unterlagen braucht man für eine fachliche Prüfung?
Typischerweise werden Vertrag, Anlagen, Honorarangebote, Nachträge, Kostenunterlagen, Projekt- und Leistungsnachweise sowie Abschlags- und Schlussrechnungen benötigt.
11.4 Kann ein HOAI-Sachverständiger Rechtsfragen abschließend entscheiden?
Nein. Der Schwerpunkt liegt auf fachlichen Honorar- und Leistungsfragen. Vertragsrechtliche oder prozessuale Fragen gehören in die anwaltliche Beratung beziehungsweise gerichtliche Entscheidung.
11.5 Wann sollte eine Rechnung unabhängig geprüft werden?
Vor allem bei hohen Forderungen, Nachträgen, Kündigungen, unklaren Leistungsständen oder erheblichen Abweichungen von der ursprünglichen Honorarvereinbarung kann eine unabhängige Prüfung sinnvoll sein.
12. Rechtsgrundlagen und fachliche Einordnung
Je nach Fragestellung sind insbesondere §§ 4 bis 8 HOAI, die jeweiligen Leistungsbilder und Honorartafeln sowie die zugehörigen Anlagen relevant. Bei Gebäuden spielen insbesondere §§ 33 bis 36 und Anlage 10 eine wichtige Rolle; bei Technischer Ausrüstung unter anderem § 54 HOAI. Die konkrete rechtliche Bewertung hängt vom jeweiligen Vertrag und dem Zeitpunkt der Beauftragung ab.