Die 10 häufigsten Fehler in Architektenrechnungen

HOAI Sachverständiger Alexander Fleming

Alexander Fleming

HOAI Sachverständiger

27.08.2026

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Architektenrechnungen sind komplex. Sie beruhen häufig auf Vertrag, HOAI-Systematik, Leistungsphasen, Kostenberechnungen, Zuschlägen und Zusatzleistungen. Deshalb treten in der Praxis immer wieder ähnliche Fehler auf. Für Bauherren ist es hilfreich, diese typischen Fehler zu kennen, bevor eine Rechnung ungeprüft bezahlt wird.

Die folgende Übersicht zeigt zehn häufige Fehlerquellen. Sie ersetzt keine Einzelfallprüfung, bietet aber eine klare Orientierung, welche Punkte bei einer Architektenrechnung besonders kritisch sind.

1. Fehler: Unklare Vertragsgrundlage

Eine Rechnung muss zu dem passen, was vertraglich vereinbart wurde. Häufig ist jedoch unklar, ob nach Pauschalhonorar, Stundenhonorar oder HOAI-Systematik abgerechnet wird. Auch nachträgliche Änderungen, mündliche Absprachen oder E-Mail-Freigaben können Streit auslösen.

Wenn der Vertrag nicht eindeutig ist, sollte die Rechnung besonders sorgfältig geprüft werden. Der Beitrag Architektenrechnung prüfen lassen – worauf kommt es an? erläutert die notwendigen Unterlagen.

2. Fehler: Falsche oder nicht nachvollziehbare anrechenbare Kosten

Die anrechenbaren Kosten sind bei vielen HOAI-orientierten Rechnungen der wichtigste Hebel. Werden sie zu hoch angesetzt oder nicht nachvollziehbar hergeleitet, kann das Honorar erheblich steigen. Besonders kritisch sind unklare Kostengruppen, fehlende Kostenermittlungen oder falsche Bezugszeitpunkte.

3. Fehler: Falsch angesetzte Honorarzone

Die Honorarzone richtet sich nach der Schwierigkeit der Planungsaufgabe. Eine zu hohe Honorarzone kann das Honorar deutlich erhöhen. Deshalb sollte nicht nur geprüft werden, welche Honorarzone genannt ist, sondern auch, ob sie fachlich begründet werden kann.

4. Fehler: Vollständige Abrechnung nicht vollständig erbrachter Leistungsphasen

Ein häufiger Fehler ist die vollständige Abrechnung einer Leistungsphase, obwohl Leistungen fehlen. Das betrifft insbesondere Projekte, die abgebrochen, gekündigt oder nur teilweise umgesetzt wurden. Auch innerhalb einer Leistungsphase können Teilleistungen fehlen.

Bei Schlussrechnungen ist dieser Punkt besonders wichtig. Siehe dazu Schlussrechnung des Architekten richtig prüfen.

5. Fehler: Besondere Leistungen ohne klare Beauftragung

Besondere Leistungen können zusätzlich vergütet werden, wenn sie nicht bereits Grundleistung sind und eine entsprechende Beauftragung oder Vereinbarung vorliegt. Problematisch sind pauschale Zusatzhonorare ohne Leistungsbeschreibung, Auftrag oder Nachweis.

6. Fehler: Doppelte Abrechnung von Leistungen

Manche Leistungen werden in der Rechnung sowohl als Grundleistung als auch zusätzlich als besondere Leistung dargestellt. Hier ist zu prüfen, ob tatsächlich eine zusätzliche, eigenständige Leistung vorliegt oder ob bereits vergütete Grundleistungen erneut berechnet werden.

7. Fehler: Unklare Umbauzuschläge und Zuschläge

Bei Umbauten und Sanierungen können Zuschläge eine Rolle spielen. Sie müssen aber zur Vertragsgrundlage und zum Projekt passen. Pauschale Zuschläge ohne nachvollziehbare Herleitung sollten nicht ungeprüft akzeptiert werden.

8. Fehler: Fehlerhafte Nebenkosten

Nebenkosten müssen vertraglich und rechnerisch nachvollziehbar sein. Problematisch sind pauschale Nebenkosten ohne Vereinbarung, nicht belegte Auslagen oder unklare Mischungen aus Pauschale und Einzelabrechnung.

9. Fehler: Abschlagszahlungen werden falsch berücksichtigt

In Schlussrechnungen müssen bereits gezahlte Abschläge vollständig und korrekt abgezogen werden. Fehler entstehen häufig durch fehlende Zahlungen, falsche Beträge oder Verwechslung von Netto- und Bruttowerten. Eine Zahlungsübersicht ist deshalb unverzichtbar.

Zu Abschlagsrechnungen siehe Abschlagsrechnung eines Architekten prüfen – was ist zu beachten?.

10. Fehler: Rechnung ist nicht prüffähig

Der vielleicht wichtigste Fehler ist fehlende Nachvollziehbarkeit. Wenn der Bauherr nicht erkennen kann, welche Leistungen abgerechnet werden und wie sich der Betrag ergibt, sollte die Prüffähigkeit hinterfragt werden. Das ist besonders bei Schlussrechnungen relevant.

Weitere Details enthält der Beitrag Wann ist eine Architektenrechnung prüffähig?.

11. Wie sollten Bauherren bei Fehlerverdacht reagieren?

Bei Verdacht auf Fehler sollten Bauherren die Rechnung nicht vorschnell vollständig zahlen. Sinnvoll ist eine strukturierte Prüfung: Vertrag und Unterlagen sammeln, Rechnung aufgliedern, unklare Positionen markieren, konkrete Einwendungen formulieren und bei Bedarf fachliche Hilfe einholen.

Empfohlene Vorgehensweise
  1. Rechnung und Anlagen vollständig sichern

  2. Vertrag und Honorarvereinbarung prüfen

  3. Leistungsphasen und Leistungsnachweise vergleichen

  4. anrechenbare Kosten und Zuschläge kontrollieren

  5. Abschlagszahlungen abgleichen

  6. Einwendungen schriftlich und konkret erheben

Zum weiteren Vorgehen siehe Architektenrechnung widersprechen – wie geht man richtig vor?.

12. Fazit: Typische Fehler lassen sich systematisch erkennen

Die meisten Fehler in Architektenrechnungen entstehen nicht zufällig, sondern an wiederkehrenden Stellen: Vertragsgrundlage, anrechenbare Kosten, Honorarzone, Leistungsphasen, Zusatzleistungen, Nebenkosten und Abschlagszahlungen. Wer diese Punkte prüft, erkennt viele Risiken frühzeitig.

Bei hohen Beträgen oder komplexen Projekten ist eine unabhängige HOAI-Rechnungsprüfung sinnvoll, um berechtigte Forderungen von fehlerhaften oder nicht ausreichend belegten Positionen zu trennen.